Montignoso, eine der kleinsten Gemeinden der Toskana, zwischen der Versilia und den Apuanischen Alpen gelegen, verfügt über eine reiche landwirtschaftliche Tradition, die uns einzigartige und köstliche Produkte beschert hat und weiterhin beschert. Dazu gehört der Pane Marocco, eine lokale Spezialität mit einer langen Geschichte.
Bereits 1881 erwähnte der Historiker Raffaello Raffaelli in seiner “Monografia storica e agraria delle zone attorno a Massa e Carrara” dieses Brot und beschrieb, dass es in der Ebene von Massa üblich war, Maispolenta zu essen, manchmal gemischt mit Kohl, Bohnen und Brot aus Maismehl, genannt Marocco. Die Ursprünge dieser Delikatesse gehen auf das 17. Jahrhundert zurück, als das in der Region reichlich vorhandene Maismehl, das billiger als Weizenmehl war, die Bauern dazu veranlasste, mit lokalen Zutaten zu experimentieren, um den Teig anzureichern. Man fügte aromatische Kräuter wie Rosmarin und Salbei, Chilischoten, Knoblauch, Salz und vor allem frische schwarze Oliven hinzu und schuf so ein Brot, das schmackhafter als Polenta und billiger als Weißbrot war.
Der Teig wurde zu Formen von 20-25 cm Durchmesser geformt und in einem Holzofen auf Kastanienblättern gebacken, wodurch eine dunkle, goldene Kruste und eine Krume von charakteristischer goldgelber Farbe entstanden. Der Name ‘Marokko’ leitet sich möglicherweise von der dunklen Farbe ab, die an die Haut der Bewohner der nordafrikanischen Küste erinnert.
Früher wurde das Marokko-Brot vor allem während der Olivenernte hergestellt, heute findet man es in einigen Bäckereien in Montignoso, vor allem freitags. Dank seines kräftigen und gehaltvollen Geschmacks wird dieses Brot frisch verzehrt und oft eher als Vorspeise denn als Beilage serviert.
Die tiefe Verbundenheit mit der lokalen Tradition und seine jahrhundertealte Geschichte haben dazu geführt, dass das Pane Marocco in das Verzeichnis der traditionellen landwirtschaftlichen Erzeugnisse (PAT) aufgenommen wurde, womit seine kulturelle und gastronomische Bedeutung anerkannt wurde.